Mike Shinoda: „I told you this is going to be a weird show“

Am Freitag, den 7. September, war MIKE SHINODA, der Mitgründer der amerikanischen Nu Metal Band LINKIN PARK mit seiner „Post Traumatic Tour“ in der Wiener Arena Open Air zu Gast. Als Vorband unterstütze ihn die englische Rockband DON BROCO.

Vor dem roten Backsteinbau in Wien versammelten sich zahlreiche Fans um zu einem Konzertabend der besonderen Klasse zu gehen. Nach langem und geduldigem Warten war der Großteil des Publikums gegen acht Uhr abends im Open Air Gelände der Arena eingelangt. Während einige ZuseherInnen sich beim Merchandise Stand eindeckte und dort zwei liebevoll mit unzähligen LINKIN PARK Fanschreiben dekorierte Wände bewunderte, betrat die Vorband die Bühne. Die britische Rockband DON BROCO startete vom ersten Song an ordentlich durch und obwohl das Publikum für Rockfestival-Gewohnheiten wie Circle oder Mosh Pits nicht wirklich in Stimmung war, forderte Sänger Rob Damiani immer wieder zur Interaktion auf. Bei Circle und Mosh Pits waren nur eine Handvoll Leute dabei, bei allem anderen ließ man sich aber gerne mitreißen, egal ob es um mitsingen, springen, mit den Armen schwingen, Handytaschenlampen einschalten, in die Hocke gehen und gemeinsam aufspringen oder ein T-Shirt über dem Kopf schwingen ging. Alles wurde mit Freude und Energie mitgemacht. Dazu gab es von Gitarrist Simon Delenay an Derwisch Tänze erinnernde Umdrehungen, einen auf der Bühne herumhetzenden Rob Damiani und einen vor sich hin hüpfenden Bassisten Tom Doyle. Mit eingängigen Liedern wie „Stay Ignorant“, „You Wanna Know“, „Automatic“ oder „T-Shirt Song“ war das Publikum gut auf den Hauptact des Abends eingestimmt.

Gegen neun Uhr abends gingen dann die Lichter am Open Air Gelände aus, als Matthias Harris und Mike Shinoda unter tosendem Applaus und ohrenbetäubendem Jubel die Bühne betraten. Nach einem kurzen „Hi“ starteten die beiden gleich in ihr bunt gemischtes musikalisches Programm. Zum Einstieg gab’s den in Österreich noch nie gespielten FORT MINOR Song „Welcome“, der gleich in den seit gut vier Jahren nicht mehr gespielten LINKIN PARK Song „When They Come For Me“ überging und von Anfang bis Ende vom Publikum mitgesungen wurde. Danach begrüßte der Musiker sein Publikum mit den Worten „Oh hi! I didn’t see you standing there. My name is Mike.“

Der weitere Abend verlief äußerst unterhaltsam, denn Mike Shinoda und Matthias Harris waren bei ihrem Auftritt ohne den sonst mittourenden Schlagzeuger auf der Bühne und nutzen die Chance um die Show einmal anders zu spielen. Das Publikum beteiligte sich enthusiastisch an dieser Ausnahme. Egal, ob es sich um wenig gespielte LINKIN PARK Lieder wie „Roads Untraveled“ oder „Sorry For Now“, neue Werke vom Soloalbum wie „Hold It Together“, „Ghosts“ oder „Crossing a Line“ oder in Österreich noch nie gespielte FORT MINOR Songs wie „In Stereo“, „Where’d You Go“ oder „Remember The Name“ handelte – alles wurde mitgesungen.

Nach dem ersten Viertel waren bereits so viele Dinge auf die Bühne geworfen worden, dass sich ein gut gelaunter Mike Folgendes nicht verkneifen konnte: „They’re throwing things, I think they want us to go home“. Ein besonders berührender Moment gehörte Mike Shinoda und dem Publikum allein, als dieser auf seinem Stage Piano unterschiedliche LINKIN PARK Songs anspielte und dem Publikum den Gesangspart seines verstorbenen Freundes und Bandkollegen Chester Bennington überließ.

In der zweiten Hälfte des Auftritts wandte sich der Ausnahmekünstler an die erste Reihe und fragte nach, welche Songs sie denn noch hören wollten. Als Antwort kamen einige Songs, die von ihm aus sowieso auf dem Programm standen, und viele Wünsche, die ihn komplett überraschten und von ihm als „obscure“ bezeichnet wurden. Bei der Zugabe war es dann auch tatsächlich soweit, dass er spontan die Setlist änderte um die gewünschten Songs zu performen. Bei seinem letzten Stück „Running From My Shadow“ kletterte Mike schließlich von der Bühne herunter um inmitten seines Publikums zu singen, dabei wurde er von seinen Fans regelrecht umklammert, die ihr Glück ihrem Star so nahe zu sein, kaum glauben konnten.

Was als Aufarbeitung nach dem Freitod von Chester Bennington begann, wurde im Laufe der Soloalbum-Aufnahmen und der darauffolgenden Tour zu einer positiven Message. Mit #makechesterproud motiviert Mike Shinoda alles Fans dazu ihrem Umfeld zu helfen, wenn sie dort depressive Stimmungen wahrnehmen sollten. Die Freude an der Musik, die positive Resonanz und Treue der Fans ließ sich an diesem spätsommerlichen Abend eindeutig vernehmen, während Wut und Trauer keinen Platz fanden.

Hier gibt's die Fotos vom MIKE SHINODA Konzert!


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